Hexenwahn

Verfolgung | Inquisition | Hexenprozesse


Es ist nicht bekannt, wie viele Frauen und Mädchen im Laufe der Jahre als Hexe oder Ketzerin dargestellt worden sind und den Tod fanden. Jedoch kann man davon ausgehen, dass kaum eine richtige unter ihnen war. Durch Massenhysterie oder Neid vor dem Nachbarn oder was auch immer wurden viele zu Unrecht angeschwärzt. Viele Christen hatten vor den heidnischen Götterglauben Angst. Mit dem christlichen Glauben kam die Vorstellung einer Hölle und dem dort lebenden Satan, vor ihm hatten die religiösen Menschen der damaligen Zeit große Angst. Wenn jemand verdächtigt wurde mit dem Teufel im Bunde zu sein, so wurde er gefoltert. Unter dieser Folter und den damit verbundenen Schmerzen war man bereit alles zu sagen, damit man dieser Qual nicht länger ausgesetzt war. Letztlich wurde man dann hingerichtet.

Im frühen Mittelalter war die Todesstrafe für Ketzer noch nicht vorgesehen. Bekämpft wurden Zauberei und Ketzerei bis zum 11. Jahrhundert hauptsächlich mit Kirchenbussen. Im Jahr 1090 gab es jedoch einen Fall in Freising, bei dem drei sogenannte Wettermacherinnen am Isarstand verbrannt wurden, gegen den Willen der Kirche. Der Begriff der Hexerei soll erstmals 1419 in einem Strafprozess vor dem weltlichen Gericht der Stadt Luzern aufgetaucht sein.

Seit dem 13. Jahrhundert wurde das kirchliche Inquisitionsverfahren eingeführt. In der Inquisition waren Ankläger, Geschworene und Richter in einer Person zu finden. Erst mit diesem Verfahren häuften sich die Hinrichtungen von so genannten Hexen und anderen Ketzern. "Wobei jedoch die Zielsetzung der Inquisition zu beachten ist: Zielten die in der Frühen Neuzeit dominierenden Hexenprozesse weltlicher Gerichte auf die Bestrafung vermeintlich Schuldiger ab, strebte die Inquisition die Umkehr und Rekonziliation der Beschuldigten an, was sich in der weniger häufigen Anwendung der Todesstrafe ausdrückte. Darüber hinaus war das Hauptaugenmerk der Inquisition nicht auf Hexen, sondern auf Häretiker gerichtet." - wikipedia -
Zur gleichen Zeit fing man in Spanien und Frankreich mit der Folterung von Verdächtigten an, wenn es um Kapitalverbrechen ging. Dies wurde auch in Deutschland ab dem 14. Jahrhundert im weltlichen Strafprozess anzuwenden. Die Hexenverfolgung hatte ihren Höhepunkt gegen 1700.

Nach der Reformation brachen die kirchlichen Inquisitionsgerichte zusammen. Hexenprozesse wurden nur noch vor weltlichen Gerichten behandelt. Die letzte Hexentötung in Holland war 1610, in England 1684, in Frankreich um 1745, in Deutschland um 1775, in der Schweiz 1782 und 1793 in Polen. Der letzte bekannte Hexenprozess war 1944 in Schottland.


Altertum
Die Grundlagen werden geschaffen. Die Assyrer und Babylonier kannten die auf Besen reitenden Hexen. Geistesgeschichtliche Entwicklung der Griechen. Der Glaube an Zwischenwesen, die man als Mittler zwischen Mensch und Gott versteht, wird gefestigt. Dies wird in der römischen Götterlehre und in der Glaubensstruktur verzerrt. Der Glaube an Dämonen wird im Bewusstsein des Volks gefestigt.

4. Jahrhundert
Die christliche Religion kommt hinzu und wird als Staatsreligion hoffähig. Sie übernimmt und modifiziert antike Dämonologie. In diesem Jahrhundert beginnt das Verhängnis.

391 n. Ch.
Das Christentum wird offiziell als Staatsreligion ernannt. Und alles, was den Stand und das Ansehen der Kirche zu bedrohen scheint, wird versucht zu eliminieren.

400 - 1250
Der Aberglauben wird gefestigt. Teilweise wird mit Gewalt die Christianisierung in Landstrichen Europas erzwungen. Andere Glaubensformen werden be- und verdrängt. In dieser Zeit begann man damit, das weibliche Geschlecht als etwas negatives darzustellen.

1000
Vorerst duldet die katholische Kirche keine Personen, die mit dem Teufel in Verbindung stehen oder sich in teuflischen Künsten üben. Den Hexenglauben aber leugnen sie. Aufgrund der Verbreitung von hätetischen Sekten in europäischen Ländern nimmt die Kirche den Kampf gegen die Ketzerei und Zauberei auf.

1179
Das Lateran-Konzil ruft die weltlichen Mächte zur Bekämpfung der Ketzerei auf und beginnt eine entsprechende Kampagne. Die bischöflichen Gerichte führen die Inquisition ein.

Um 1200
Die Kirche gibt das Prinzip der Nichtexistenz von Dämonen und Hexen auf.Angeblich findet der erste Prozess 1264 in Frank-reich statt.

1230 - 1430
Die Ketzer- und Inquisitionsprozesse beginnen. Dem Volk wird der Glaube an den Teufel auferzwungen. Gleichzeitig wird der Hexenbegriff gefestigt.

1470 - 1480
Der Hexenbegriff wird an das Teufelsdogma gekuppelt. Christliche Hexenbücher erscheinen. Sie gelten eigentlich dem Kampf gegen den Teufel, zielen jedoch auf die Vernichtung der Hexerei.

1484
Die Inquisitoren, Dominikaner Sprenger und Insitoris Kramer erwirken von Papst Innozenz VIII einen Erlass, der ihnen die alleinige Zuständigkeit für die Hexenverfolgung sichert. Sie veröffentlichen auf Ersuchen des Papstes den "Hexenhammer" - Malleus Melleficarum. Er beinhaltet sämtliche Elemente der Hexerei sowie das System der Ausrottung und Vernichtung. Durch den Buchdruck weit verbreitet wird er zum Leitfaden der Hexenrichter und bis 1669 in verschiedenen Sprachen 29mal verlegt.

1493
In Spanien werden rund 100 000 Menschen der Ketzerei angeklagt, 10 000 davon werden auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

nach 1500
Einzelne und später größer angelegte Hexenverfolgungen durch Kirche und Staat finden statt.

um 1580
Höhepunkt der Hexenbrände im Zusammenhang mit Reformation, Gegenreformation und Jesuitismus. Die Verfolgungen und Verbrennungen lassen nach.

1585
Auf Befehl des Erzbischofs von Trier werden unzählige angebliche Hexen verbrannt. In einigen Dörfern bleiben teilweise nur zwei Frauen am Leben.

1610
In Holland findet die letzte Hexenverbrennung statt.

1630
Der Bischof von Würzburg gibt den Befehl, 1200 Frauen und Männer als Ketzer und Hexen zu verbrennen. Im gleichen Jahr wird auch die Hinrichtung von 600 Frauen und etlichen Männern vom Erzbischof von Bamberg angeordnet.

1632/ 1633
Prozess gegen Galileo Galilei, der seinen ketzerischen Thesen (die Welt ist nicht der Mittelpunkt des Universums) abschwören muss, um dem Feuertod zu entgehen.

Mitte 17. Jahrhundert
Von der Hexenverfolgung wird durch den 30-jährigen Glaubenskrieg abgelenkt und es findet eine Verschiebung statt. Nach Ende folgen weitere Höhepunkte menschlicher Grausamkeit.  Protestanten und Katholiken buhlen um die Gunst des Teufels.

1676
Auf Geheiß des Erzbischofs von Salzburg werden 97 Frauen verbrannt. Sie sollen eine Viehseuche "herbei gezaubert" haben.

1684
In England findet die letzte Hinrichtung einer Hexe statt.

ab 1700
Durch Zurücknahme der Folter vermindern sich die Prozesse. Aufklärende Tendenzen beginnen. Die Männer, die den Hexenwahn schon lange bitter bekämpft hatten, der Jesuit Friedrich Spee, der Reformierte Balthasar Bekker, Christian Thomasius und Johann Weier, fanden langsam Gehör.

1745
Letzte Hinrichtung einer Hexe in Frankreich

1775
In Deutschland wird zum letzten Mal ein Scheiterhaufen angezündet.

1782
Letzte Hinrichtung einer Hexe in der Schweiz.

1792
In Polen wird zum letzten Male einer Frau der Hexenprozess gemacht: Todesurteil, das natürlich schon vor der Verhandlung klar war.

ab 1800
Der Teufel nimmt eine untergeordnete Stellung ein. Nur wenige Fälle von Hexenverfolgung werden bekannt. Das Hexenbild wandelt sich im Volksbewusstsein zum märchenhaften, naiven und lächerlichen. Die Hexen werden in Märchenbücher aufgenommen.

1952
In England wird das letzte Gesetz gegen Hexerei aus den Büchern gestrichen.

1954
In diesem Jahr wird in England der letzte Hexenprozess geführt, welcher sich auf ein Gesetz aus dem Jahre 1754 beruft.

20 Jahrhundert, 2 Hälfte
Trend zur "schwarzen" Magie nimmt zu. Das Hexenwesen spielt sich in Zirkeln und privaten Kreisen ab.

Quelle: hexen-online.org (Seite gibt es nicht mehr) Jahreszahlen können ein wenig abweichen....
Hexenverfolgung bei Wikipedia