Kiefernstraße

Eine Straße schreibt Geschichte....


Wie eine bunte Oase inmitten von fahlen Gewerbegebieten und stillgelegten Industriebetrieben, am Rande von Flingern-Süd, einem Düsseldorfer Stadtteil, befindet sich die Kiefernstraße. In ihr haben ca. 800 Menschen verschiedenster Nationalitäten und sozialen Gruppen ihr Zuhause gefunden.

Am 30. September 1902 wurde die Straße eingeweiht, die ersten Häuser, die zwischen 1905 und 1910 errichtet wurden, waren Werkswohnungen für die Arbeiter in den nahe gelegenen Stahlwerken. Im Jahre 1975, nach Werkstilllegung an der Fichtenstraße, gingen sie in Besitz des Liegenschaftsamtes der Stadt Düsseldorf über. Bis 1977 wechselte der Eigentümer erneut. Es war damals die städtische Düsseldorfer Wohnungsbau Gesellschaft (DÜWOGE). Die Umsetzung der Mieter begann und die ersten Wohnungen der alten Arbeitersiedlung standen leer. 1978 beschloss der Stadtrat eine förmliche Festlegung der Kiefernstraße als Sanierungsgebiet. Es wurde ein neues Gewerbegebiet geplant dem die Häuser weichen sollten.
Bis 1981 gingen die Häuser erneut an das Liegenschaftsamt über. Die Häuser 7, 9, 35 und 37 wurden dem Sozialamt zur Nutzung überlassen und es wurden überwiegend aus Afrika stammende Flüchtlinge untergebracht.
Von der Stadt wurden dem Verein "Aktion Wohnungsnot e.V." zum Abriss bestimmte Häuser zur vorübergehenden Nutzung überlassen. Im August 1981 zogen zunächst etwa 60 Personen mit städtischen Nutzungsverträgen in 4 Häuser ein. Ab August/September 1981 wurden die ersten Wohnungen besetzt.

In Zusammenarbeit mit dem alternativen Kommunikationszentrum ZAKK sammelte man über 600 Unterschriften von Bewohnern der Kiefernstraße und forderte unter anderem: "Kein Abriss der Kiefernstraße", "Übergabe der bezogenen Wohnungen an die Instandbesetzer", "Rücknahme der Anzeigen wg. Hausfriedensbruch", "Denkmalschutz und Bestandschutz."
Die Stadt unternahm weiter nichts, während die Bewohner begannen, den über Jahre vernachlässigten Wohnungsbestand zu sanieren.
Weitere Besetzungen erfolgten im September 1982. Zwei Cafés, das NIX DA (inzwischen das AK 47) und DIE MÜLLKIPPE, wurden eröffnet.
Im März 1983 wird die Genehmigung des Abrissbebauungsplanes durch den Regierungspräsidenten erteilt. Das Jugendamt eröffnet in Nr. 21 eine Freizeiteinrichtung. 1984 entscheidet die Stadtverwaltung "die Kiefernstraße bis einschließlich 1987" zu erhalten. Fast alle Asylbewerber werden umgesiedelt und die Häuser 35 und 37 werden wieder vermietet. Im April des Jahres wird das Haus Nr. 23 durch ein Feuer zerstört.

1985 wurden die Asylbewerber aus der Kiefernstraße 7 und 9 abgeschoben und umquartiert. Diese wurden 1986 von Wohnungssuchenden besetzt. Ende Januar 1986 wird bekannt, dass es zu Räumungen kommen sollte, es kommt zu Tumulten.

Am 2. August 1986 wurde zwei Bewohner der Kiefernstraße zusammen mit dem RAF-Mitglied Eva Haule verhaftet. Das hat zur folge, dass es zur einer Großrazzia mit 800 Polizisten, die weitere Razzien, Demonstrationen und Polizeieinsätze im Laufe des nächsten Jahres kommt. Zeitweise war die Straße von der Polizei abgesperrt.
Im Februar 1988 wurde ein Teil der Wohnungen geräumt. Danach erklärt u. a. auch die Presse, dass die Kiefernstraße "zu einem der wichtigsten Stützpunkte deutscher Terroristen geworden" sei. Ab Mai 1988 bis Juli 1988 wurden dann erste Verträge abgeschlossen, u. a. mit den städtischen Wasserwerken und der Stadtrat beschließt, dass sowohl die vermieteten wie die besetzten Häuser für mindestens 8 bis 10 Jahre erhalten werden sollen. Weitere Mietvereinbarungen erfolgten bis zum November 1988.

Ein großer Teil der Mietverträge sollten zum 30. November 2008 ablaufen, was zu Unsicherheiten unter den Bewohnern führte. Im September 2008 wurden die Mieter informiert, dass die Verträge bis auf Weiteres weiterlaufen werden.

Quellen: Wikipedia, Hausbesetzung in Düsseldorf: Kiefernstraße

Ab 2003 initiierte das Kulturbüro Kiefernstraße die künstlerische Gestaltung der Fassaden. Die vorher besetzten Häuser mit den ungeraden Zahlen bekamen 2004 ein neues "Layout". Gestaltet von der Gruppe "Farbfieber" um Klaus Klinger erhielten die Häuser farbenfrohe, plakative und auch kritische Graffitis, wie es zum Charakter der Straße passt. Und es folgten weitere sehr unterschiedliche Bemalungen. Es entwickelte sich eine Gemeinschaft, in der multikulturelle Individualität und Integration gelebt wird.


"Das Ziel war eine vielgestaltige, farbenprächtige, dem Charakter der Straße entsprechende Gestaltung. Als Hintergrund und gestalterische Komposition einigten sich die Künstler auf den Schriftzug "Respect", der sich meterhoch über alle vier Wände zieht. "Respect" als wichtigste Grundvoraussetzung eines friedlichen, multikulturellen Zusammenlebens - ob privat oder international. "Respect" aber auch als Hinweis auf die Geschichte der Kiefernstraße. Auf diesem Schriftzug verwirklichten die Künstler ihre Ideen. Dass das Wort am Ende vielleicht nicht mehr klar erkennbar ist, ist gewollt."


2004: "Schöner Wohnen auf der Kiefernstraße" Nr. 1 bis 5 -> KLICK
2008: "5mal5" -> KLICK

DIE KÜNSTLER:
Klaus Klinger (Projektleiter), Trampo (Brasilien), Arie Dyanto (Indonesien), Jop Arsianto (Indonesien), Thulani Shuko (Südafrika), Ben Dietrich, Felix Köpf, Joe und Marc Hennig (Majo-Brothers), Jan Hendrik Thomes, Leo Lierzer, Deniz Köröglu, Alex Weuffen, Stefan Cador, Sebastian Hennig, Theo Wegener, Jakob Michalski, Finn Töpfer, Ben Matties, Till Martin, Christian Bolte....

Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten:
Die Fassaden der Häuser mit ungeraden Hausnummern wurden künstlerisch auf einer Länge von über 200 Metern im Streetart-Stil gestaltet.
Im Haus Nr. 4 befindet sich die Begegnungsstätte "Kulturbureau Kiefernstraße" (K4).
Im Haus Nr. 21 befindet sich das Tonstudio "K21 Music".
Im Haus Nr. 23 befindet sich der letzte Düsseldorfer Punk-Club, das AK 47 (ehemals Nix Da).
Im Haus Nr. 35 befindet sich das "Red House".
Für Kinder und Jugendliche sind mehrere Quarterpipes auf der Straße installiert.
Alle drei bis vier Jahre findet ein großes Straßenfest statt. Daneben gibt es zahlreiche unregelmäßige Veranstaltungen.
Quelle: Das große weite Internet....