Die Legende von Avalon

die insel der äpfel


Im walisisch heißt das Land Ynys yr Afallon, "Insel der Äpfel" und liegt jenseits des westlichen Sees. Sterbliche können es nur erreichen, wenn sie von einer der Bewohnerinnen der Insel hingeführt werden. Die Äpfel, die auf Avalon wachsen sind Früchte der Unsterblichkeit, sie sollen die ewige Jugend symbolisieren, darum ist der Apfelbaum das Symbol der Priesterinnen von Avalon. Sie werden von den Göttern und Helden gegen das Altern gegessen und sind mit den Früchten des Baums des Lebens im Paradies und den Äpfeln im Garten der Hesperiden in der griechischen Mythologie vergleichbar. Der Apfelbaum steht als Gegenpool zur Eiche, dem Baum der Druiden. Die Priesterinnen glauben, dass Männer und Frauen unterschiedlich Wege gehen und verschiedene vorbestimmte Schicksale haben. Dies läge in der Natur des Lebens und ist eine Lebensphilosophie der Priesterinnen.

Die Kelten glaubten an die Existenz eines Reiches, dass in einer höheren Realitätsebene innerhalb unserer eigenen Welt existiert. Die Ebene der Götter, Halbgötter und Fabelwesen, aber auch der Geister, die auf ihre Wiedergeburt warten. Die keltische Mythologie berichtet von Avalon als den "Gefilden der Seligen", einem Ort an dem Elfen und Feen ihre Heimat haben und die Seelen der verstorbenen Helden und Könige verweilen. Avalon liegt jenseits des westlichen Sees. Unsichtbar für die christlichen Mönche, deren Kloster Glastonbury sich auf der gleichen Insel inmitten der Sümpfe des Sommerlandes befindet. Glastonbury liegt im Südwesten Englands ca. 220 km westlich von London und ca. 40 km südlich der englischen Stadt Bristol. Zu der damaligen Zeit lag Glastonbury in einem Dreieck der Energie zusammen mit Stonehenge und Avebury, den monumentalen Steinkreise.

Die Priesterinnen haben die Gabe des Hellsehens und können einen mentalen Ruf an einen Menschen richten, um diesen zum Beispiel vor Gefahren zu warnen. Außerdem können sie mit ihrem geistigen Auge Zeit und Raum durchdringen. Viele Frauen ließen sich auf Avalon von den Priesterinnen ausbilden, Beispielsweise zur Hebamme oder Lehrerin. Oft wurden auch die Töchter der Adligen auf die Insel Avalon gebracht, um sie erziehen zu lassen, bevor sie später mit ihrer vom Vater bestimmten Mann vermählt wurden.

König Artus soll, der Sage nach, nach seiner Verwundung durch Mordred auf der Insel durch die Heilkünste und Zauberkraft der Priesterinnen wieder geheilt und auf seine Rückkehr in die richtige Welt vorbereitet worden sein. Die Geschichten und Auslegungen um Avalon spalten sich weit. Es gibt zwar viele im Kern gleiche, jedoch in den Ausschmückungen unterschiedliche Interpretationen. In den meisten ist jedoch davon die Rede, dass das Schwert Excalibur auf der Insel geschmiedet und auch dorthin wieder zurückgebracht worden ist. Einige reden davon das Artus-Halbschwester Morgane le Fay auf Avalon lebte, andere behaupten, das sie im Zauberwald von Broceliande viele Ritter in ihren Bann zog.


"Die Apfelinsel wird auch die glückliche Insel genannt, weil sie alle Dinge aus sich selbst erzeugt. Die Äcker haben dort den Pflug nicht nötig, der Boden wird überhaupt nicht bebaut; es gibt nur, was die schaffende Natur aus sich selbst gebiert. Freiwillig schenkt sie dort Korn und Wein und in den Wäldern wachsen die Apfelbäume im stets geschnittenen Grase. Aber nicht nur schlichtes Gras, sondern alles bringt der Boden die Fülle hervor, und hundert Jahre oder darüber währt dort das Leben. Neun Schwestern herrschen nach heiteren Gesetzen auf dieser Insel über alle, die aus unserem Lande dorthin gelangen. Die erste unter ihnen weiß am meisten von der Heilkunst, dazu übertrifft sie ihre Schwestern an Schönheit der Gestalt. Morgan ist ihr Name; sie hat die wirksamen Eigenschaften der Kräuter und Pflanzen studiert, so das sie den siechen Leib zu heilen versteht. Sie kennt auch die Kunst, ihre Gestalt zu vertauschen und, ein neuer Dädalus, mit ihren Flügeln die Luft zu durchschneiden. Sobald sie es wünscht, ist sie in Brest, Chartres oder Pavia, und wenn sie will, lässt sie sich wieder aus der Luft an unsere Gefilde herabgleiten. Dorthin brachten wir damals nach der Schlacht von Camlan den verwundeten Arthur, und Barinthus, dem die Strömungen des Wassers und die Sterne am Himmel alle vertraut sind, lenkte unser Schiff. Unter seiner Führung langten wir mit dem König dort an, und Morgan empfing uns mit gebührenden Ehren. Frohen Mutes vertrauten wir ihr den König an und wandten uns heimwärts, günstigen Winden die Segel breitend."
Aus der "Vita Merlini" von Geoffrey of Monmouth